
WIE BEE SNIFFED ENTSTAND
Es gibt diese Momente im kreativen Prozess, über die man selten spricht.
Momente, in denen ein Bild nicht das wird, was man sich vorgestellt hat. In denen Farben nicht harmonieren, Ideen ins Leere laufen und Zweifel lauter werden als jede Inspiration.
Genau so begann dieses Werk.
Ich wollte ein abstraktes Bild malen. Die Leinwand füllte sich, Schicht um Schicht, doch irgendwann stand ich davor und wusste: Das funktioniert nicht. Die Farbkombination fühlte sich falsch an, unausgeglichen. Nichts wollte zusammenfinden. Der Gedanke, die Leinwand einfach wegzuwerfen, lag nahe. Und ehrlich gesagt: Es wäre der einfachste Weg gewesen.
Aber ich konnte es nicht.
Also stellte ich das Bild in eine Ecke. Weg aus dem Blickfeld, aber nicht aus dem Kopf.
Dort stand es – ein halbes Jahr lang. Unberührt. Als stiller Zeuge eines gescheiterten Versuchs.
Irgendwann nahm ich mir vor, dem Bild eine neue Richtung zu geben. Ich versuchte, ein Gesicht über das abstrakte Werk zu malen. Ein bewusster Bruch, ein Neuanfang auf bestehendem Chaos. Doch auch das gelang mir nicht. Linien fanden keinen Ausdruck, Proportionen passten nicht, das Ergebnis fühlte sich leer an.
Es folgte eine Schaffenskrise.
Eine dieser Phasen, in denen man beginnt, die eigenen Fähigkeiten infrage zu stellen. In denen man sich fragt, ob man den inneren Zugang verloren hat. Ich habe diese Zeit für mich behalten. Kein großes Reden darüber, kein Teilen nach außen. Nur Abstand.
Erst viel später – mit freiem Kopf und ohne Erwartung – kehrte ich zu der Leinwand zurück. Ohne Plan. Ohne Ziel. Ich ließ mich von den vorhandenen Farben leiten, statt gegen sie zu arbeiten. Beobachtete, was da war, statt zu korrigieren, was mir nicht gefiel.
Und genau dort passierte etwas.
Aus dem scheinbaren Scheitern entstand Raum. Aus dem Stillstand Bewegung.
Schritt für Schritt entwickelte sich ein neues Motiv: die Biene.

Rückblickend war dieses Bild nie ein Fehlschlag. Es war ein Prozess, der Zeit brauchte. Das Scheitern war kein Ende, sondern ein notwendiger Zwischenzustand. Vielleicht sogar der wichtigste Teil.
Die Kunst des Scheiterns besteht für mich darin, Dinge liegen zu lassen, ohne sie aufzugeben. Fehler nicht sofort zu beseitigen, sondern ihnen Raum zu geben. Vertrauen zu haben – in den Prozess, in die Zeit und in die eigene Wahrnehmung.
Nicht jedes Werk entsteht aus einem klaren Plan.
Manche entstehen aus Umwegen.
Und manche brauchen einfach Geduld.
